Ich bekam vor einiger Zeit eine große Tüte Altkleidung von Veronika. Einige kann ich, für 2 oder 3 Sommer Saison, noch tragen. Der Rest war ziemlich "Pension bedürftig". Aber wie wir alle wissen, auch im Rentenalter bleibt man produktiv. Kann man, in jeglicher Art und Weise, produktiv bleiben. Wenn man will.
Beim Sortieren der Kleidungsstücke atmete ich tief ein, legte die eigentlich Entsorgung würdige Stücke schön zusammen und verstaue sie in meinem kleinen Kleiderschrank. Wer den "Zwang" des Aufhebens kennt, weiß wovon ich rede. Aufheben ist gefährlich. Irgendwann hat man keinen Platz mehr und man muss sich von den Dingen einfach Abschied nehmen können. Aber bis dahin ist ja noch Zeit. Noch kann ich Dinge aufheben.
Bei einem roten bestickten Sommerkleid in der Sammlung zum Beispiel lösen sich die Nähte an vielen Stellen schon. Und wie oben erwähnt, brachte ich es nicht über das Herz, das Stück in den Restmüll zu geben. Krank, nicht? What ever!
Letzte Woche holte ich das schöne rote Röhrenkleid wieder aus dem Schrank und zusammen mit Agnes gaben wir ihm ein neues Leben. Agnes hat eine Nähmaschine. Agnes sitzt im Rollstuhl. Agnes ist kreativ. Agnes kann gut nähen. Agnes will produktiv bleiben. Agnes will viel nähen. Agnes hat viele Ideen. Agnes hat viele Stoffe, die sie gerne verarbeiten will. Aber Agnes' Feinmotorik ist am schwinden. Das heißt ein kontrolliertes halten und drucken funktioniert nur noch mäßig gut. Auf das Nähmaschinenpedal kontrolliert drucken und Nadel einfädeln beispielsweise sind ihr schwieriger geworden. Also, sagte ich ihr, lasse mich dein Fuß sein. So saßen wir am Nähmaschinentisch. Sie, im Rollstuhl, hielt den Stoff zitternd in der Hand und ich an ihrem Fuß am Boden mit der Hand auf dem Pedal. Sie gab mir Hinweis, wann ich auf das Pedal drucken konnte. Das "Patchwork" Team :)
Die Patchwork Stofftasche! Also, im Falle dieses neuen Produkts ist nicht das Flickwerk der Textiltechnik zu verstehen, sondern das der Produktion. Stoff von Veronika, Nähen von Agnes und Rupi. Ach ja, der Schulterriemen ist von IKEA - nicht neu - schau..., aufheben ist nicht selten "Lebensrettend" ;).
Die Tasche selbst gefällt dem Sebastian. Er darf sie haben :) Hmmmm...., welchen Preis könnten wir ihm denn nennen?